Es gibt viele gute Gründe,
Altgriechisch zu lernen.

Theologen lernen Altgriechisch, weil es die Sprache des Neuen Testaments ist. Doch betraten die ersten Christen mit dieser Sprachwahl kein Neuland: Seit gut drei Jahrhunderten gab es damals bereits eine griechische Version des „Alten Testaments“, übersetzt von Juden für Juden, die erst später, nach der endgültigen Trennung der Religionen, zugunsten des hebräischen Originals im Judentum aufgegeben wurde – nicht zuletzt deshalb, weil die griechisch-sprachige Alte Kirche die so genannte „Septuaginta“ inzwischen für sich beanspruchte. Auch der Jude Jesus dürfte ein paar Brocken Griechisch gekonnt haben; mit Pontius Pilatus hat er jedenfalls kaum Latein gesprochen (obwohl uns das in Mel Gibsons „The Passion“ so vorgegaukelt wird).

 

Arch of Titus Menorah

 

Unser Autor zwischen Jerusalem und Rom

Wer aus erster Hand mehr über den geschichtlichen und kulturellen Hintergrund des Neuen Testamens erfahren will, studiert die auf Griechisch verfassten Werke des jüdischen Historikers Flavius Josephus, denen auch der Text für die schriftliche Graecumsprüfung an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der RUB entnommen wird. Als Zeitgenosse der Apostel und Augenzeuge der Zerstörung des Tempels im Jahr 70 n. Chr. stellt Josephus sowohl für Theologen als auch für Judaisten, Althistoriker und (biblische) Archäologen eine Quelle von nicht zu überschätzendem Wert dar – und eine faszinierende Lektüre sowieso.

Griechisch an unserer Fakultät

Zum Graecum können Studierende an unserer Fakultät in zwei Semestern – bei Besuch des sechswöchigen Sommer-Intensivkurses: jetzt sogar schon in einem Semester gelangen: Im Unterkurs bzw. im sechswöchigen Sommer-Intensivkurs wird zügig und kompakt die Sprache erlernt, im darauf aufbauenden Oberkurs der Spracherwerb abgeschlossen und danach vor allem Josephus gelesen. Beide Kurse, die mit 5 Wochenstunden unterrichtet und zurzeit pro Semester doppelt angeboten werden, haben Ferienfortsetzungen und werden jeweils von einem speziellen Lektürekurs sowie mehreren studentischen Tutorien flankiert. Die staatliche Graecumsprüfung (der fakultativ ein dreiwöchiger studentischer Klausurenkurs vorausgeht) findet zweimal im Jahr, jeweils an einem Samstag gegen Ende der Semesterferien, statt. In der mündlichen Prüfung – frühestens zwei Wochen danach – ist ein kurzer Text aus dem Corpus der Apostolischen Väter zu übersetzen. Auch darauf wird derzeit in einem eigenen zweiwöchigen Ferienkurs vorbereitet, der sich direkt an die schriftliche Prüfung anschließt. Übrigens: Für diejenigen, die nach dem Graecum nicht gleich alles wieder vergessen wollen, gibt es einen besonderen Lektürekurs.

Informationen über das verwendete Lehrwerk und andere Unterrichts-materialien sind den Ankündigungen im aktuellen Vorlesungsverzeichnis zu entnehmen.

Tagesexkursion ins Berliner Pergamon-Museum am 9.5.2012

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