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Lehrveranstaltungen im SoSe 2017

 

PROF. DR. TRAUGOTT JÄHNICHEN

Vorlesung
Die Ethik Martin Luthers
Mo, 14-16 | GA 03/142

Als Folge der Reformation hat sich die Lebensführung der Menschen in den lutherischen und reformierten Gebieten tiefgreifend verändert. Ein Großteil der religiös ausgerichteten, der sog. "frommen" Werke, auf die sich im Spätmittelalter das Leben vieler Menschen aus Sorge um das ewige Heil konzentrierte, ist von den Reformatoren theologisch verurteilt worden. Religiöse Praktiken wie das klösterliche Leben, das regelmäßige Fasten, Pilgerreisen, Ablässe erwerben, Prozessionen u.a. sind daraufhin relativ schnell aufgegeben worden. An die Stelle dieser Werke setzten die Reformatoren eine veränderte Haltung zum alltäglichen Leben: Im Alltag sollte die Nächstenliebe, nicht zuletzt durch die Arbeit im "Beruf", praktiziert werden. Gegen die fälschlich erhobenen Vorwürfe, die Reformatoren würden die Werke auf Grund ihrer Betonung des Glaubens abschaffen wollen, hat gerade Martin Luther immer wieder die Bedeutung der "guten Werke" hervorgehoben.

In der Vorlesung soll ausgehend von der reformatorischen Neubestimmung des Verhältnisses von Glauben und Werken nach den Orientierungen reformatorischer Ethik historisch und gegenwartsbezogen gefragt werden, wobei die ethischen Schriften Martin Luthers im Mittelpunkt stehen.

Hauptseminar
Denken und Glauben
Mo, 16-18 | GA 7/52 | Konstituierende Sitzung: Di., 25.04.2017

Gegenwärtig tritt ein neuer (oft kämpferischer) Atheismus in der Öffentlichkeit auf, der zumeist mit dem Hinweis auf die Erfolge und die scheinbare Klarheit des naturwissenschaftlichen Denkens dem Glauben jede Relevanz abzusprechen versucht. Das Leitbild naturwissenschaftlichen Denkens wird absolut gesetzt, ohne dessen Voraussetzungen und Grenzen angemessen zu klären. Damit wird die klassische Kontroverse um das Verhältnis von Denken und Glauben, von Wissenschaft und Religion, in neuer Weise geführt.

In dem Seminar soll es darum gehen, eine theologisch reflektierte Verhältnisbestimmung von Denken und Glauben zu erarbeiten. Neben theologischen Grundinformationen zum Thema soll ein besonderer Schwerpunkt auf das Werk Blaise Pascals gelegt werden, der als Mathematiker, Naturwissenschaftlicher, Philosoph und christlicher Denker zu Beginn des naturwissenschaftlich-technischen Zeitalter nach wie vor grundlegende Überlegungen zur Thematik angestellt hat.

Hauptseminar
Europa in Solidarität?
Blockseminar, Termine s. Aushang

Europa ist ohne den prägenden Einfluss des Christentums nicht vorstellbar. Schon schwieriger ist es hingegen, nach der Rolle des Protestantismus in Europa zu fragen, da dieser sich seit der Reformation nur in bestimmten Ländern und Regionen nachhaltig hat verankern können. Da der Protestantismus zudem, speziell in Deutschland, lange Zeit fast ausschließlich an dem eigenen Nationalstaat orientiert gewesen ist, ist die Frage nach einem Beitrag des Protestantismus zur europäischen Integration nicht leicht zu beantworten. Immerhin identifiziert sich nach einer aktuellen Umfrage des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD von den evangelischen Kirchenmitgliedern eine große Mehrheit als Deutsche und Europäer/innen zugleich.

Vor dem Hintergrund der Krisen der europäischen Integration, die gegenwärtig vor allem von rechtspopulistischen Kreisen befeuert werden, soll in dem Seminar danach gefragt werden, welche Impulse der Protestantismus für eine friedliche und sozial verantwortliche Entwicklung des Kontinents setzen kann. Konstitutiv gehört eine zweitägige Exkursion nach Brüssel, wo u.a. das EKD-Büro besucht wird, zum Seminarprogramm (neben der Exkursion entsprechende Vor- und Nachbereitungen), das im Rahmen der konstituierenden Sitzung am Mi, d. 26.4. um 14.00 in GA 8/34 vorgestellt wird.

Interdisziplinäres Seminar
Biblische Basistexte
(gem. mit Prof. Dr. Peter Wick)
Mi, 12-14 | GA 7/52

Der Streit, ob und in welcher Weise biblische Texte zur Orientierung der christlichen Lebensführung herangezogen werden können, bestimmt den Protestantismus seit der Reformation. Auch in der Gegenwart werden in den evangelischen Kirchen viele Kontroversen deutlich, welche die Frage nach einem angemessenen Umgang mit den biblischen Traditionen provozieren.

In dem Seminar soll es d arum gehen, der Frage nachzugehen, ob und inwiefern sich eine Alternative zwischen einer naiven unmittelbaren Anwendung biblischer Texte einerseits und einer Beliebigkeit oder sogar Vergleichgültigung im Umgang mit der Bibel andererseits erarbeiten lässt. Dies soll exemplarisch an Hand biblischer Grundtexte, wie dem Feindesliebegebot in der Bergpredigt, dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter und dem Gleichnis vom verlorenen Sohn geschehen sowie am Beispiel kontroverser ethischer Debatten der Gegenwart und der jeweiligen Bezugnahme auf biblische Texte.

Die konstitutive Sitzung mit der Seminarplanung findet am Mi., d. 19.4. statt. Neben der regelmäßigen Teilnahme an den Seminarsitzungen sollen die Teilnehmenden (zumindest) auch an der ntl. und an der syst.-theol. Vorlesung im Rahmen der Ringvorlesung der Fakultät zum Thema "Reformation und theologische Wissenschaft" teilnehmen.


NATHALIE ELEYTH

Seminar
Neue Herausforderungen der Sexualethik
Do, 10-12 | GA 8/37

Innerhalb der Evangelischen Theologie ist die Sexualethik ein vermintes Feld: Die letzte Denkschrift zur Sexualethik stammt aus dem Jahr 1971; eine neue, zeitgemäße Publikation der EKD zu Fragen der Sexualität scheiterte im Jahr 2015 an der Kontroversität der Inhalte.

In diesem Seminar beschäftigen wir uns mit unterschiedlichen Formen der Sexualität aus theologisch-ethischer Perspektive, die die traditionelle evangelische Sexualethik herausfordern. Wir diskutieren, was die Kriterien gelingender Sexualität sind und ob es Formen sexuellen Verhaltens gibt, die wir als prekär bewerten. Unter anderem erörtern wir die Themenfelder Prostitution, Pornographie, BDSM, Sexualität in Seniorenresidenzen und in Wohnheimen für Menschen mit Behinderung und Sexualethik im Kulturvergleich. Selbstverständlich sollen bei jedem der thematischen Schwerpunkte auch die unterschiedlichen Normen hinsichtlich des sexuellen Verhaltens für Männer und Frauen betrachtet werden.

Abschließend thematisieren wir, welche pädagogischen Methoden sich beispielsweise im evangelischen Religionsunterricht oder in der Konfirmandenarbeit eignen, um mit Jugendlichen sexualethische Fragen zu diskutieren.


MAXIMILIAN SCHELL


Interdisziplinäres Seminar (Kirchengeschichte & Systematische Theologie) gemeinsam mit Tim Kock
Luthers Lehre von den Zwei Regimenten
Di, 14-16 |  Raum wird noch bekannt gegeben

Die sog. „Zwei-Regimente-Lehre“ oder auch „Zwei-Reiche-Lehre“ umschreibt verschiedene situationsbezogene, nicht stets konsistente Aussagen Martin Luthers zur Unterscheidung des Handelns Gottes und der Menschen in der Wirklichkeit der Welt. Vor allem in seiner 1523 veröffentlichten Schrift „Von weltlicher Obrigkeit. Wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei“ antwortet Luther auf Grundfragen der Ethik des Politischen  oder auch der Reichweite politischer Gehorsamspflicht für einen Christenmenschen. Dabei postuliert Luther einerseits eine relative Unabhängigkeit des geistlichen Amtes gegenüber Eingriffen der politischen Obrigkeit, andererseits eine von direkter kirchlicher Einflussnahme unabhängige politische Machtausübung, welche stets im Dienste Gottes stehen und sich gegenüber ethischen Normen legitimieren soll.

Das Seminar beleuchtet aus kirchengeschichtlicher Perspektive ausgehend von den Quellen der Reformationszeit verschiedene Aussagen Luthers zu den Zwei Regimenten im Zusammenhang mit den Geschehnissen der Zeit. Des Weiteren wird sowohl das  schon für Luther vorhandene Vorstellungsmaterial der Alten Kirche und des Mittelalters, als auch die reiche und teils problematische Wirkungsgeschichte der Lehre von den Zwei Regimenten thematisiert. Aus systematisch-theologischer Perspektive soll gefragt werden, inwieweit das Erarbeitete Orientierungsleistungen für die heutige Zeit bietet. Wie weit darf sich die Kirche in politische Entscheidungen einmischen? Wie sollte die Kirche angesichts der Formulierungen der Bergpredigt zu staatlicher Gewaltausübung, Kriegseinsätzen und den Umgang Europas mit Geflüchteten stehen? Wie politisch darf Kirche sein, wie unpolitisch muss sie sein?

Das Seminar ist geöffnet für den Bachelor und Mag.Theol. Studiengang. Die Teilnehmendenanzahl ist begrenzt, eine Voranmeldung über VSPL obligatorisch.

Literatur: Wird in der Veranstaltung bekanntgegeben.

 


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Hinweise

Hinweise zu Prüfungen und wissenschaftlichem Arbeiten