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Aktuelle Forschungsprojekte

 

a) Fasten - religiös-spirituelle Praxis als Lebenshilfe
Modernisierungsprozesse und gesellschafliche Umwälzung haben das Fasten als christliche Frömmigkeitspraxis zunehmend marginalisiert und erklärungs-bedürftig werden lassen. Zugleich ist in der Gegenwart eine Wiederentdeckung und Transformation des Fastens festzustellen. Zur ursprünglichen Bedeutung des Fastens sind zahlreiche weitere Fastenformen hinzugetreten. Das Forschungsvorhaben hat zum Ziel, diese Transformation der christlichen Fastenpraxis im Anschluss an die Fastenaktion der EKD und des Vereins "Andere Zeiten e.V." sowohl hermeneutisch-reflexiv, als auch qualitativ-empirisch zu untersuchen, um zu erforschen, worin das Potenzial des Fastens für die Menschen heute liegt. Dieses Projekt wird großzügig gefördert durch den Verein "Andere Zeiten e.V." und beginnt 2018.

 

b) Transformationen des Pfarrberufs

Der Pfarrberuf nimmt eine Schlüsselrolle bei der Bindung evangelischer Kirchenmitglieder ein. Zugleich gerät er durch zunehmende Pluralisierungs-, Individualisierungs- und Säkularisierungsprozesse unter Druck und verliert gesamtgesellschaftlich an Bedeutung. Darüber hinaus haben sich die strukturellen Rahmenbedingungen für das pfarramtliche Handeln durch Einsparungen der Landeskirchen verschlechtert. Anhand einer qualitativ-empirischen Studie soll deshalb ermittelt werden, inwieweit sich der Pfarrberuf derzeit hinsichtlich der Verschiebungen in den Aufgaben- und Tätigkeits-bereichen, des Verhältnisses von Person und Amt, der Veränderung in der psychischen Belastung und des Spannungsfeldes von Resonanz- und Auftragsorientierung verändert und wie die Pfarrerinnen und Pfarrer damit subjektiv umgehen. Das Projekt wird großzügig gefördert durch die EKD, durch die Evangelische Kirche von Westfalen, die Evangelische Landeskirche in Württemberg und die Evangelische Kirche im Rheinland und beginnt im Herbst 2017.

 

c) Sexualität, Lebensformen, Ehe, Familie
In zwei Monographien hat sich Isolde Karle mit Fragen der Sexualität, der Körperlichkeit, der Geschlechtsidentität, der Ehe und dem Wandel der Lebens-formen auseinandergesetzt. Diese Forschungen sollen vertieft und um den Aspekt „Familie“ erweitert werden. Sexualität, Ehe und Familie sind aus Sicht der reformatorischen Theologie zentrale Ausdrucksformen menschlichen Lebens, die grundlegend sind für unsere Kultur, sich aber in ihrer konkreten Gestaltung keineswegs von selbst verstehen. So zeichnen sich in den letzten Jahrzehnten erhebliche Veränderungsprozesse auf diesem Feld ab. Zugleich scheinen die Paarbeziehung und die Familie als Wertmuster nichts von ihrer Bedeutung eingebüßt zu haben. Neben einer soziologisch differenzierten Erforschung der Situation ist es elementar, die Diversität von Ehe und Familie historisch zu untersuchen und dabei auch die sozialethischen und theologischen Deutungen von Ehe und Familie präziser zu erfassen als das bislang der Fall ist. Praktisch-theologisch interessiert nicht zuletzt der Orientierungsgewinn für die kirchliche Praxis in Seelsorge und Unterricht. Dass es dafür einen Bedarf gibt, ist u.a. an den Irritationen und Verunsicherungen erkennbar, die die EKD-Orientierungs-hilfe „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit: Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“ (2013) auslöste.

 

d) Dimensionen der Sorge
Das Evangelische Studienwerk e.V. Villigst hat im Herbst 2013 einen neuen interdisziplinären Forschungsschwerpunkt mit dem Titel „Dimensionen der Sorge“ eingerichtet. Neben der Lehrstuhlinhaberin führen die Professoren Micha Werner (Philosophie, Universität Greifswald), Anna Henkel (Soziologie, Universität Oldenburg) und Gesa Lindemann (Soziologie, Universität Oldenburg) den Forschungsschwerpunkt in interdisziplinärer Kooperation durch. Das Projektteam hat am 1. Juni 2014 seine Arbeit aufgenommen. Weitere Informationen finden Sie hier.
Jedem betreuenden Professor/jeder Professorin sind jeweils fünf Stipendien für jeweils zwei Jahre in dem insgesamt fünf Jahre laufenden Forschungsprojekt zugeordnet. Personen, die zum Thema ‚Sorge‘ promovieren möchten, sind eingeladen, sich mit den üblichen Bewerbungsunterlagen um ein Promotionsstipendium in Villigst zu bewerben. Sollten Sie Interesse daran haben, wenden Sie sich bitte an Isolde Karle.

Vom 21.-22. September 2017 findet die nächste Tagung zum Forschungs-schwerpunkt „Dimensionen der Sorge“ in Villigst statt. Sie steht unter dem Thema "Sorget nicht - Kritik der Sorge". Das genaue Programm folgt in Kürze.

 

e) Religion und Gesellschaft
Im Kontext des Instituts werden regelmäßig Symposien und Workshops mit international ausgewiesenen Forschern durchgeführt, die sich der inter-disziplinären Erforschung des Verhältnisses von Religion und Gesellschaft widmen. Es geht hier ins besondere darum auszuloten, welche Funktion Religion in der modernen Gesellschaft hat. Aus praktisch-theologischer Perspektive interessiert nicht zuletzt, wie sich die Kirchen auf die Indivi-dualisierung und Pluralisierung von Religion einstellen können und ob und in welcher Hinsicht von einer Säkularisierung der Gesellschaft oder auch von einem neuen Interesse an Religion gesprochen werden kann. Wie können die Kirchen sich öffnen für Formen und Tendenzen frei vagabundierender Religiosität ohne ihr Profil und ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren? Wie kann das explizit Christliche in Wechselwirkung mit den in Zwischenräumen ange-siedelten Formen implizit christlicher Praxis und Kommunikation bewahrt und fortentwickelt werden? Nicht zuletzt interessiert uns in diesem Zusammenhang das komplexe Verhältnis von Religion und Identität: Inwiefern befähigt Religion Menschen dazu, sich kontingenzsensibel für Pluralität und Fremdheit zu öffnen? Wie kann der Glaube Kontingenz zulassen und zugleich bearbeiten? Aus den Symposien und Workshops soll ein interdisziplinäres Forschungsprojekt entwickelt werden, das diesen Fragen nachgeht.

 

Abgeschlossene Forschungsprojekte

 

a) Gottes Wort in der Geschichte. Reformation und Reform in der Kirche
In dem ökumenischen und zugleich interdisziplinären Forschungsprojekt „Gottes Wort in der Geschichte. Reformation und Reform in der Kirche“ kooperierte Isolde Karle mit Ute Gause (Evangelisch-Theologische Fakultät Bochum), Wilhelm Damberg und Thomas Söding (beide Katholisch-Theologische Fakultät Bochum). Die Forschergruppe ging der Frage nach den zentralen Impulsen der Reformation nach und reflektierte ihre Relevanz für die gegenwärtigen Erneuerungsprozesse der beiden großen Kirchen. Im Zentrum stand dabei die Frage nach der Wirksamkeit von „Gottes Wort in der Geschichte“. Dazu fand vom 26.-28.09.2013 ein ökumenisches Symposion unter dem Titel „Reform und Reformation der Kirche“ mit Fachkolleginnen und Fachkollegen aus der evangelischen und katholischen Theologie, aus der Geschichts- und Medienwissenschaft und mit hochrangigen Kirchenvertretern aus beiden Kirchen statt. Die Beiträge des Symposions wurden in einem Band im Herder-Verlag veröffentlicht.

 

b) Kirchenreformen im Vergleich
Das Thema „Kirchenreform“ ist seit vielen Jahren ein Forschungsschwerpunkt von Isolde Karle. Sie war in die EKD-Diskussionen zu dem Reformpapier „Kirche der Freiheit“ von Anfang an auf verschiedenen Tagungen und Kongressen involviert. Sie hat eine interdisziplinäre Tagung zur „Kirchenreform“, finanziert von der Fritz Thyssen Stiftung, durchgeführt und als Sammelband herausgegeben. Es folgte die einschlägige Monographie „Kirche im Reform-stress“ und im Anschluss daran die Kooperation mit den Münsteraner Religions-soziologen Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Karl Gabriel und Prof. Dr. Detlef Pollack, um mit ihnen zusammen ein von der DFG finanziertes Forschungs-projekt „Kirchenreformen im Vergleich“ durchzuführen. Das Projekt untersucht und vergleicht Kirchenreformen, die auf der operativen Leitungsebene der Landeskirchen und Bistümer und Freikirchen in den letzten 15 Jahren ange-strebt und durchgeführt wurden. Wir führten dazu Interviews mit Expertinnen und Experten aus den jeweiligen Kirchenleitungen durch und analysieren und interpretieren diese. Auf einer Abschlusstagung des Projekts im Oktober 2014 in Münster wurden erste Ergebnisse präsentiert und mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft und Kirche diskutiert. Die wichtigsten Ergebnisse werden in einem Themenheft der Evangelischen Theologie 1/2016 präsentiert. Stefanie Brauer-Noss hat ihre Dissertation zum Vergleich der Kirchenreformen in drei ausgewählten ev. Landeskirchen abgeschlossen. Eine weitere Publikation zum konfessionellen Vergleich ist geplant.

 

c) Religion und Krankheit
Im Rahmen des NRW-Exzellenzwettbewerbes für Geistes- und Kulturwissenschaften „Geisteswissenschaften gestalten Zukunftsperspektiven!“ wurde das Projekt „Deutungen von Krankheit in der postsäkularen Gesellschaft“ von Prof. Dr. Dr. Günter Thomas (Systematische Theologie/Ethik) und Prof. Dr. Isolde Karle bis Ende 2006 voll finanziert. Ausführlichere Informationen zum Forschungsprojekt und den Forschungstagungen finden Sie hier. Die Ergebnisse der Forschungstagungen wurden in einem Band beim Kohlhammer-Verlag veröffentlicht. Im Rahmen des Forschungsprojektes wurden überdies ca. 60 leitfadengestützte Interviews vor allem mit Patientinnen und Patienten, aber auch mit Pflegekräften und Ärzten durchgeführt. Diese Interviews werden in einer Reihe von Dissertationen systematisch ausgewertet.

Praktisch-theologisch interessiert dabei insbesondere die Frage nach dem Zusammenhang und der Differenz von Heil und Heilung, von Religion und Gesundheit. In der Seelsorgediskussion, zunehmend aber auch in der gottesdienstlichen Praxis, inspiriert durch die ökumenische Diskussion wurde in den letzten Jahrzehnten viel Wert auf die Interdependenz von Heil und Heilung gelegt. Uns geht es darum, die Chancen, aber auch die Probleme solch postulierter Zusammenhänge (und Kausalitäten) differenziert zu analysieren und dabei zu einer verantwortlichen kirchlichen Praxis im Umgang mit Kranken anzuregen.

 

Habilitations- und Dissertationsprojekte

 

Laufende Habilitationsprojekte

  • Dr. Jula Elene Well, Flucht nach Deutschland. Politische Predigt zwischen Willkommenskultur und Anti-Asyl-Protest

 

Laufende Dissertationsprojekte

  • Michael Häußler, Trauer in und durch die Bestattung. Zur sozialen Bedingtheit von Trauer und der Funktion der kirchlichen Bestattung (Pfarrer in Westfalen)
  • Franziska Schade, Religiöse Sorge um Jugendliche. Chancen und Grenzen der Jugendkirchen (als Villigst-Stipendiatin im Forschungsschwerpunkt „Dimensionen der Sorge“)
  • Anne Wehrmann-Kutsche, Zwischen Gleichheit und Differenz – Geschichte, Konzepte, Perspektiven der Evangelischen Frauenarbeit am Beispiel der Nordkirche (Pfarrerin der Nordkirche)
  • Niklas Peuckmann, Militärseelsorge im Spannungsfeld von Individualität und Kollektivität - Eine Seelsorgetheorie (wiss. Mitarbeiter)
  • Inga Kreusch, Rechtfertigung und Anerkennung - praktisch-theologische Perspektiven (wiss. Mitarbeiterin)
  • Nicole Gottschling, Carol Gilligans Ethics of Care. Perspektiven für die Religionspädagogik

 

Abgeschlossene Dissertationen

 

Cover von Liebe in der Moderne (2014)

 

 

 

Wort_Gottes_in_der_Geschichte